Am Samstag spielt der Samstag so einen richtigen Samstag. „The Final Countdown“ orgelt aus dem Radio, NDR2 überträgt die Bundesliga, die Sonne sticht. Wasserholen am Bach bedeutet ein Zur-Ruhe-Kommen, denn Baumkronen überdachen den Lauf der Heisterbeeke entlang des Garten 2. Unten an der Weide spült nur das Wasser talwärts. Die Sonne bleibt oben und scheint anderswohin.
Die Leute gehen in die Disko, in die Kirche und zur Arbeit: weil es noch nicht da ist. Das Prinzip wirkt so nebensächlich. Es könnte sich jedoch gerade wegen der Beiläufigkeit um einen Universalismus handeln, einen Antrieb, einen Trieb: Weil es noch nicht da ist. Oder wie der New Yorker Schriftsteller Jonathan Lethem in seinen kürzlich veröffentlichten „Bekenntnissen eines Tiefstaplers“ den Kollegen Thomas Louis Berger zitiert. Berger beantwortet die Frage nach dem Grund des Schreibens mit der scheinbar schlichten Wendung: „Weil es nicht da ist.“
Es gab einmal die Kontingenz. Die Universalvokabel zur Beschreibung der Situation traf zu: Postindustrielle Geselschaften bieten ihren Leuten immer noch eines mehr an. Und noch eines mehr. Das war Kontingenz. Doch die Kontingenz wurde so allumfassend, dass sie zum Langweiler mutierte. Produktiv genutzt wurde ihre analytische Potenz von den Machern der Kulturzeitschrift „n+1“. So kann der Theoriebegriff ganz konkret weiterleben. Als Titel eines der feurigsten Magazine zur Zeit.
Über die Verfasstheit des Sozialen könnte das Prinzip „Weil es nicht da ist“ noch weitreichender sprechen als die „Kontingenz“. Vielleicht könnte sie sogar präzise dabei bleiben. Die Frage, ob „Weil es noch nicht da ist“ ein soziologischer oder ein anthropologischer Begriff werden könnte, ist also noch gar nicht beantwortet. Wie spezifisch muss es laufen? Wo, wann handeln die Menschen nicht gemäß „Weil es nicht da ist“? Der unerfüllte Wunsch nach dem Carbon-Auto, nach Sex im Kerker, nach einer Sacher-Torte ist das eine.
Nur fünf Wörter sind es. Thomas Louis Berger hat das „noch“ gestrichen und damit einen Satz geschaffen, dem weder etwas hinzugefügt werden muss, noch etwas abhanden kommen sollte.