WINTER, 4. März 2010
Evessen, 8.07h, 4°C.
Seit vielen tausend Jahren leben Menschen in den Ebenen zwischen Asse und Elm. Insbesondere die Industrialisierung der Landwirtschaft hat inzwischen den Boden austrocknen lassen: Es gibt keine Seen, keine Weiher, kaum noch Teiche in diesem Land. Das führt zur Wertschätzung des Lebensraumes Wasser.
Der sogenannte Vilgensee etwa, wo noch die Schafe weiden, um bald wieder der Rinderherde des Lindenhofes Platz zu machen, ist lediglich ein Ententümpel.
Aus Respekt vor dem Wasser und seiner Bewohner wird in diesen Nächten die L 629 Reitlingstal im Elm regelmäßig zwischen 23h und 6h gesperrt. Es ist die Zeit der Krötenwanderung, und die Untere Naturschutzbehörde macht große Politik auf kommunaler Ebene, indem sie zum Schutz der Amphibien eine der wenigen Routen durch den Höhenzug stundenlang unterbricht, bis zu fünfzehn Nächte in diesen Wochen.
Denn wenn die Bodentemperaturen steigen, verlassen Molche, Frösche und Kröten ihr Winterquartier. Sie suchen stets den Weg zu jenen Gewässern, in denen die Tiere selbst geschlüpft sind. Dort pflanzen sie sich fort.
Circa 20 Meter pro Stunde legen Sie dabei zurück; beim Überqueren von Straßen haben Amphibien also keine Chance gegen Kraftfahrzeuge. Es kann Empfindungen höchsten Glücks auslösen zu sehen, wie abends in Erkerode die Schranken zu Boden gelassen, die Straßen gesperrt werden. Eine Verkehrsschild-Kröte und der lapidare Kommentar “Krötenwanderung” machen begreifbar, was im Reitlingstal vor sich geht, überlässt man es eine Weile sich selbst.
Lurch des Jahres ist der Teichmolch.