HERBST, 11. November 2009
Draußen Trübnis, drinnen Farben. James Turrell hat für das Kunstmuseum Wolfsburg das “Wolfsburg Project” entworfen. Die zentrale Arbeit der Turrell-Ausstellung in der VW-Stadt.
Ich stehe auf der Brücke und schaue runter, runter ins Licht.
Ich gehe den Steg hinunter, und sehe Licht, ohne zu wissen, wo es herkommt. Vier Wände. Versuche, die Wände zu erfassen, die Wände befinden sich immer viel, viel weiter hinter jenem Punkt im Raum, an dem man sie erwartet hätte.
Die vierte Wand, so lernt man, ist keine Wand. Sie ist nichts. Beim Übertreten der Lichtschranke werden Sie hinunterfallen ins Nichts, und die Lichtschranke wird dazu piepen.
Das Licht ist ins Rosa übergekippt vom Hellblau her, ohne dass man es mitbekommen hätte.
James Turrell hat sich Viehherden gekauft, damit er dort seine Kunst machen konnte, wo er sie machen wollte. In einem Vulkankrater in der Wüste Arizonas.
Der Zugang zum Himmel ist privilegiert dort. Den hat sich Turrell erarbeitet, er hat im Krater ein Labor eingerichtet. Jetzt beobachtet er die Farben. Und aus dem Himmel kommt Licht. Das unendlich Schöne des “Wolfsburg Project” ist aber, dass Turrell dem Licht das Naturromantische entzieht, und es ganz in der Form abstrahiert. Wenn der Raum Licht wird, ist Magie im Spiel. Magie oder Ingenieurskunst, Magie und Ingenieurskunst.