HERBST, 18. November 2009
Das Konzert hallte noch nach, wehte diese Lieder aus dem 20. Jahrhundert, komponiert von Frederick Loewe und Kurt Weill und Masha Qrella, über die müden Felder, über die vor Matsch triefenden Traktorwege in die Dämmerung des Dienstagnachmittages.
Masha Qrella hatte in einem Wohnzimmer von Evessen ein halböffentliches Konzert gegeben. Die Flyer waren an kontrolliert okayes Publikum verteilt worden. Reggae-DJs waren gekommen, Gaststättenbetreiberinnen, Gesteinsgeologen, Goldschmiedinnen und auch Goldschmiede, Gärtnerinnen, Bauern, ein angehender Ingenieur und ausgezeichneter Qrella-Fan. Vor diesen Songs wurden sie alle zu einem formbaren Klumpen, bestehend aus der Freude des Hörens.
Ah, diese alten Meister! Ah, die Vermona-Orgel. Oha, wie das Vibraphon die Kindheit anschlägt. Ooo la la. Sanft wurden sie weggespült in die Sternennacht. “Drunken Scene”.
E-Mails des Lobpreisens trafen ein, gegeneinander versicherte man sich der geglückten Nacht. Alle, die da gewesen sind, würden es haben, das Wissen. Ah, du ja auch!
Ein Geräusch durchkreuzt nun von Eilum her die Andacht: Der Lindenhof hat seine Viehherde von der Weide geholt. Kälber und Mütter sind zum ersten Mal in ihrem Leben voneinander getrennt. Drei Tage und Nächte, so Markus, werden die Kleinen jetzt lautstark die Liebe einfordern, die ihnen zusteht, und die Muttertiere werden ihnen ebenso laut antworten. Nicht alle Menschen auf dem Hof können in diesen Nächten einschlafen. Die Schreie klingen wie ein Urlaut des Schmerzes.
Da hilft es, rotweintrinkend die ersten Honigkuchen zu backen. In rohem Zustand schmeckt das Adventsgebäck noch stark nach Rum. Christoph, der Bäcker vom Lindenhof, hat indes die richtige Würze gefunden. Buba macht die Ofen klar, und heraus nimmt er mit seinem hölzernen Brotschieber ein Blech der Süße. “Es Christkindsche backt Pläzzja”, und tatsächlich: Im Süden speit der Nachthimmel seine Variationen aus Orange. Der Stahlofen von Salzgitter wird gelöscht.