HERBST, 25. November 2009
In Schwabing saßen die Leute bei 15 Grad im Schatten und tranken ihr Nachmittagsbier. In den Pizzerien und Kneipen lief das Spitzenspiel der Fussball-Bundesliga, das nach zwei frühen Toren erblasste. Die Bayern spielten schon wieder schlecht. So schlecht, dass es eine rechte Unwürde war.
“Ich bin, was Du vergessen hast” lautet der Titel unseres Liederabends. Erstmals zeigen wir ihn außerhalb Berlins. Thema: Fassbinder. Musik: Peer Raben, Fassbinders Hofkomponist. Texter: verschiedene.
Bei Andrea Cäcilia Funk, Veranstalterin der ersten “Fassbindertage” in München, waren nach der Ankündigung irritierte Anrufe eingegangen. Sowohl die in Paris lebende Schauspielerin und Chansonnière Ingrid Caven beschwerte sich über den Titel unserer Produktion, die 2007 unter der Regie von Philipp Preuss am Deutschen Theater Berlin erstmals gezeigt wurde, als auch der Dichter Hans Magnus Enzensberger. Denn “Ich bin, was Du vergessen hast” hat er verfasst, Enzensberger. Nicht etwa der exzessive Regisseur, wie es ein Liederabend “Ich bin, was Du vergessen hast” im Kontext der “Fassbindertage” nahe legen könnte.
Unser Liederabend heisst von nun an “Ein Sein ohne Sein”.
Auf der mit rotem Teppich ausgelegten Bühne des jüngst wieder eröffneten Rationaltheaters spielen wir tiefenentspannt. Nikolai, der so professionelle Pianist. Als DJ mixe ich Philip Quehenberger, Rod Modell und Justus Köhncke. Und Valery singt. Valery.
Wie sie das dann hinterher immer über sich ergehen lässt, “Wir werden Sie in Hollywood sehen, Frau Tscheplanowa”. Diese Dinge. Doch München ist eh lässig. All diese freundlichen Menschen in der Sonnenstadt München.