ON THE ROAD IN HAIDHAUSEN
München ist rund, nimmt sich wichtig, der FC Bayern hat in genau dieser Woche den Einzug ins Champions League Finale geschafft. Nach München kann man deshalb nicht einfach so fahren. München kündigt sich an.
In der Woche vor den Lesungen beim Hörgang: Haidhausen lud bereits die Zündfunk-Redaktion in ein NDR-Studio, um radiotaugliche Antworten zum Buch “Hacken” zu erhalten. “Über’s Telefon klingt’s einfach scheiße.” Und auch die Zugfahrt… die Zugfahrt. An diesem warmen Tag, dem ersten im Jahr, brannten kurz vor Stuttgart gleich die Böschungen, was die Fahrt des ICE 597 um eine Stunde verlängerte. Eine halbe Stunde Verspätung hatte er da bereits gehabt, kurz vor München kam eine weitere halbe hinzu: wegen “Gegenständen auf den Gleisen” kurz vor dem Hauptbahnhof.
Egal, denn München kündigte sich hinter Augsburg mit einem Panorama an, die Alpen komplett überstülpt mit weißer Farbe, im Blickvordergrund leuchtete der Raps in seinem überhellen Kleid aus gelben Punkten. Dazu ein blauer Himmel.
Die Einladung stand, und an der ersten Station wurde sie erneuert. Die Polsterei Irrl bot selbstgebaute Modellschiffe und Sofas und Sessel. Auch wenn zu dieser frühen Stunde, 20h am 30-Grad-Tag, nur ein gutes Dutzend Gäste kam: Sie waren da und hörten zu. Weiter ging es über Pornostars malende Acryl-Künstler in der Pariser Straße und den Jugendtreff Au unten am Auermühlbach hin zum Maxwerk. In maximalrepräsentativer Lage zwischen Isar und Landtag flogen die Hacken-Texte über die Dachterrasse durch das halbe Grollen, halbe Rauschen der Schmelzwasser führenden Isar.
Schade, dass es in Haidhausen zwischen Fluss und Ostbahnhof nachts um halb zwei keine Bar, keine Kneipe mehr gab. Selbst die Hilton Hotel Lounge schloss gerade und wollte nicht mehr ausschenken. Geschenkt.