STARE
Stare sind verrückt.
In diesen Wochen, Blick nach Westen: Etwas über dem Dörfchen Lucklum flattert. Mal geht es hoch, und dann wieder runter. Mal fliegt es in Richtung Süden, um dann im nächsten Moment die Richtung zu ändern. Es ist schwarz, mit Rissen und Flecken aus Luft in seinem Gefüge.
Erst ganz langsam wird deutlich, dort in zwei, drei Kilometern Ferne bewegt sich ein Vogelschwarm. Doch welche Vögel es sind, welche Motive diesen Schwarm steuern, der minutenlang wirkt wie das Chaos, das bleibt offen.
Bis diese exzentrischen Tiere auch in Zickzackflugbahnen über die Pferdekoppel heizen, oben, gleich hinter dem Garten 2. Dort wird klar, sie haben es auf Kirschen abgesehen.
Die ersten Kirschen sind rot.
Die Stare flippen.
Sie rasen über die Bäume hinweg, lassen aus ihrem Schwarm immer nur Einzelne ausscheren, die kopfüber in die Äste fetzen, picken, wieder hochschleudern:
Hmm.
Die vergangenen zehn Tage waren so, vergingen in der Geschwindigkeit von zehn Tage keuchen im Starschwarm, hetzen durch Text und Theaterfestival und Christoph Marthalers sensationelles Stück “Meine faire Dame” und “Home Sweet Home” und den Kerouac-Ginsberg-Briefwechsel und Bundesumweltminister Peter Altmaiers Besuch in der Asse und Bildband und Honig schleudern und die kranke Tochter hegen.
Verrückt also, oder gierig. Oder geladen.