OFFENE FLANKEN
Scharf weht der Wind das Sonnensegel an. Die Ernte ist im Gange. Wo der Weizen weg ist, wo der Hafer nicht mehr klingelt, tost der Sturm. Er gewinnt mit jedem Tag an Geschwindigkeit.
Aus irgendeiner Ferne surft eine uralte Aufnahme von Caribou heran, „Andorra“ vielleicht, und die Mähdrescher summen durch die Senken zwischen Elm und Asse. Über dem ganzen Land, über Schöningen und Salzgitter, über Wolfsburg und Peine wehen die Fahnen aus Getreidestaub. Ab und an legt sich ein Brechreiz verursachender Gestank über die Dünste von urrohem Brot. Denn die Agrarwirte düngen jetzt mit Kot und weiteren organischen Abfällen aus Hühnermastanlagen die Felder. Werder Bremen, Wiesenhof.
Am späten Nachmittag wirft die Sonne das erste Gold auf die Baumkronen. Manch ein Feld sieht schon aus wie ein Weihnachtsplätzchen, ganz geometrisch, ganz Muster aus Vanille-Schoko.